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Samstag, 30. Juni 2012

Brüllkind

Gestern bei Penny. Ich versuche an den Packtisch zu kommen, um meine Einkäufe zu verstauen. Eine Türkin mit Kopftuch und zwei kleinen Kindern macht mir ein wenig Platz. Danke. Das eine Kleinkind sitzt in der Kinderkarre und schläft den Schlaf des Gerechten, das andere, eine etwa Dreijährige mit schwarzen Zöpfen und Kohleaugen, turnt auf dem Packtisch herum und quäkt. Mit einem rosafarbenen Kunststoff-Schnuller im Mund schaut es zu, wie ich Butter, Brot, Quark, Äpfel, Weintrauben, ein Glas Apfelkompott, eine Packung Fertigpfannkuchen (für die schnelle Küche) und zwei grüne Gurken in meinen Grossrucksack verstaue.

Unvermutet greift es zu und zieht mir die eine grüne Gurke wieder aus dem Rucksack heraus. Mit den kleinen kräftigen Fäustchen versucht es die Gurke zuerst zu biegen, dann auseinander zu brechen. Was soll denn das? Will es die eigenen Kräfte testen, war es heute noch nicht auf dem Trimm-dich-Pfad?

Zum Glück ist die Mutter wenigstens einsichtig genug, um den Klau zu unterbinden. Sie nimmt dem Kind die Gurke weg und reicht sie mir mit einem entschuldigenden Lächeln zurück.

Da holt die Kleine tief Luft und fängt an zu brüllen, dass die Wände beben.

Uuuuuuuaaaaaahhh! So brüllt das Kind. Uaaaaaahhhhhhh!

Es bekommt ein krebsrotes Gesicht, die Kohleaugen quellen ihm aus dem Kopf. Dann spuckt es seinen unappetittlichen Schnuller in die Gegend.

Ich frage die Mutter, ob es zu Hause bei ihnen denn nie Gurke gäbe. Doch, sagt die Mutter und versucht, das Brüllkind mit einigen Streicheleinheiten zur Ruhe zu bringen.

Es nützt aber nichts. Brüllkind brüllt weiter, und als die Mutter den Schnuller aufhebt und ihn dem Kind wieder in den Mund steckt, nimmt die Dreijährige den unappetittliche Ruhigsteller und wirft ihn mit aller Kraft in die Menschenmenge an der Kasse. Ausserdem will es die Gurke wiederhaben und zerrt an meinem Rucksack.

Da meiner Meinung nach die Mutter mit ihren Streicheleinheiten alles falsch macht und vielleicht eher ein Klaps angebracht wäre (das heisst aber nicht, dass ich für die Prügelstrafe bei Kindern bin), imitiere ich mal die Kleine und brülle auch. Das heisst, ich stosse ein paar Gackerlaute aus, die wie Uaaaaaahh klingen.

Es klingt nicht ganz so imponierend wie das Brüllkonzert der Kleinen, ist aber so wirksam, dass sofort Ruhe im Karton einkehrt. Das Kind schaut mich völlig verdattert an, und auch die Mutter glotzt entgeistert und hält mich wahrscheinlich für keine Normala mehr.

Dabei habe ich ihr doch soeben beigebracht, wie man ein Brüllkind ruhigstellt.


Warum denke ich bloss schon wieder, dass viele Eltern ihre Kinder so schlecht erziehen, dass sie, wenn sie als Kinder Kotzbrocken sind, es auch später als Erwachsene sein werden?

Kommentare:

  1. ....lach,.....Du hast "zurück gebrüllt", und gezeigt, wie sich's anhört......ohne "Prügel". Find ich doch super!
    Ich bin zwar Mutter, und liebe meinen Sohn, aber,.....so komisch das auch jetzt klingen mag,....ich hatte/habe für Kinder nicht viel übrig.....kann nicht gut mit ihnen umgehen.....wollte nie welche (war ein "Unfall" so zu sagen).
    Nicht jede Frau ist für's Muttersein geboren, finde ich. Es gibt Kriegerinnen, Heilerinnen, Wissenschaftlerinne, Köchinnen....usw. Jede hat ihr besonderes Talent. Da ist uns Frauen schon per Hormone das Meiste in die Wiege gelegt, was Kinder betrifft.
    Aber herje,....auch nicht "jeder" ist ein guter Vater, oder will einer sein.
    Und jede Frau sollte das Recht haben zu wählen,....was sie will.....und nicht einfach in ein "Rollen-Klischee" gedrängt werden.
    Nur, weil ich ein Frau bin, muss das nicht automatisch bedeuten, dass ich alle Kinder liebe.
    Insgesamt gesehen, sind Kinder natürlich unserer Zukunft. Das weiß ich schon.....und da sollte eben doch auf die "Erziehung" geachtet werden......
    Göttin,....jetzt hab' ich aber was lange rumgeschwafelt.....
    Sei lieb gegrüßt, und ein schönes WE.
    Rosi

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    1. Ich denke, dass Kinder ein Abbild ihrer Familienverhältnisse sind. Da die Mutter nicht den Eindruck machte, als würde sie täglich herumbrüllen (sie erfüllt ja schon mit ihrem Kopftuch das Rollenklischee der untertänigen demütigen Mutter) so wird es wohl der Vater sein, der der Herumbrüller ist und die Dreijährige nimmt ihn sich als Vorbild...

      Aber wer weiss, vielleicht ist die Kleine ein rechter Widerborst und lässt es sich später nicht nehmen, sich gegen Kopftuchzwang und dergleichen aufzulehnen und emanzipiert zu werden...

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    2. Na DAS wollen wir doch hoffen.....lach.....

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  2. Ja, danke für diese Milieustudie. Ich habe mal einen polnischen Jungen, der auch aus Lust und Laune in einem Restaurant brüllte, durch Gegenbrüllen zur Ruhe gebracht. Die Eltern hatte das nicht gestört. Es war in einer Cafeteria auf einem Tierparkgelände. Vielleicht wollte er auch nur irgendwelche Laute von Zootieren nachmachen. Das Fazit wäre ja prima, ist aber wohl mehr Wunschdenken, wenn die Mutter nicht aktiver wird.
    Übrigens Fertigpfannkuchen, igitt. Mehlpfannkuchen können doch so schnell selbst hergestellt werden, macht meine Frau jedenfalls kurz und gut! Alles Gute und danke im voraus für weitere Lageberichte.

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    1. Kinder brüllen oft, das ist klar. Manchmal haben sie ja auch Grund zum Brüllen. Aber was die Dreijährige da fabrizierte, war wirklich heftig, richtig tyrannisch und wenn die Mutter es dann auch noch streichelt...!

      Schlecht geschmeckt haben übrigens diese Fertigpfannkuchen nicht, nur las ich dann auf der Packung, dass sie auch Konservierungsstoffe beinhaltet haben...

      Ich hab leider weder Frau noch Mann, die mir die Pfannkuchen, ohne dass ich selbst was tun muss, vorsetzen...

      Vielleicht besser die Kartoffelpfannkuchen aus der TK-Truhe nehmen, die haben sicher keine Konservierungsstoffe...

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  3. Ja, das ist meiner Meinung nach eine richtige Schlußfolgerung. Wer sich nicht zur Mutter berufn fühlt, sollte es auch nicht werden. In der heutigen Zeit hat es oft etwas mit Egoismus zu tun, auch bei den möglichen Vätern. Mein Haus, mein Auto, mein Boot. Beispiel: Das ist der Sohn ein begeisterter Fußballer, spielt im Verein, würde seinem Vater gernb zeigen, wie gut er spielen kann. Aber der Vater geht nie mit! Auch wenn man keine Kinder mag, sollte man sien aber beschützen, so lange es notwendig ist.

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    1. Kinder sollten beschützt, aber auch erzogen werden...

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Aber ich antworte auf jeden Fall.