Fleecejacken,
Fleecepullover sind praktische Kleidungsstücke, wenigstens in der
kalten Jahreszeit. T-shirts aus Fleecestoff scheint es noch nicht zu
geben, aber die meisten T-shirts sind schon nicht mehr aus Baumwolle,
sondern aus Synthetik. Da ich als geborener Trauerkloss meistens
dunkle Farben bevorzuge, weiss ich natürlich, dass alle
Kleidungsstücke aus Synthetik einen fatalen Hafteffekt haben. Jedes
Haar, das mir vom Kopf fällt (und man verliert im Laufe des Tages
mindestens hundert Haare) bleibt auf Synthetik-Kleidung haften. Und
bei dunklen Klamotten sieht man es.
Nun,
neulich war ich zum Haareschneiden im Zehn-Euro-Frisörladen. Als
praktischer Mensch trage ich natürlich eine Kurzhaarfrisur, obwohl
Glatze zu tragen noch praktischer wäre. Doch dazu bin ich zu
feige und müsste mich dann wahrscheinlich alle naselang fragen
lassen, ob ich mich wegen eines Krebsleiden einer Chemotherapie
unterzogen hätte.
Jedenfalls
war aber nach dem Frisörbesuch mein Haar kurz genug, dass ich es mit
fünf Fingern in Form bringen konnte. Doch mein dunkelblaues T-shirt war voller Haarschnipsel, die sich unter dem
Frisierumhang frech ihren Weg ins Freie gebahnt hatten. Wegpusten half
da garnichts und auch nicht, dass die Frisörin mir mit ihrem Föhn
zu helfen versuchte.
Hier
muss ich mal gestehen, dass ich ziemlich penibel bin und weder Haare
auf Kleidungsstücken noch Krümel auf dem Tisch oder schiefhängende
Bilder abkann. Es ist peinlich, dass ich so kleinkariert bin, aber so
ist es nun mal.
Zuhause
suchte ich darum gleich nach einer Kleberolle. Das sind die Dinger,
die Fusseln und Haare auf Stoffen einfach wegkleben. Während ich
alle winzigen Haarschnipsel auf meinem T-shirt entfernte und gleich
noch das in dunklen Farben gehaltene Sofa mit der Kleberolle
bediente, das auch so ziemlich fusselig aussah, dachte ich darüber
nach, wie unwichtig doch meine Problemchen waren.
Angesichts
der Tatsache, dass die Klimakatastrophe bereits eingetreten ist und
wir von heut auf morgen zuerst Winter und dann gleich Sommer mit
zweiundzwanzig Grad haben, ohne einen Frühling dazwischen,
angesichts der Tatsache, dass in religiösen Kriegen jeden Tag
tausende von Menschen umkommen und Millionen verhungern, sorgte ich
mich um Haare und Fusseln auf Kleidungsstücken.
Andere
wären doch bestimmt froh, wenn sie nur solche „Sorgen“ hätten.
Na, ja, andererseits bin ich natürlich froh, dass ich nur solche
Sorgen habe und keine anderen.